(2) Wann genau ist man eigentlich erwachsen?


21.01.2024 | Neulich habe ich darüber nachgedacht, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, wie es wohl sein würde, irgendwann einmal erwachsen zu sein. Damals war ich fest davon überzeugt, dass Erwachsene auf alles eine Antwort haben. Die wissen, wie das Leben funktioniert. Die haben einen Plan. Die wissen, was richtig und was falsch ist. Und vor allem wissen sie, wo ihr Weg hinführt.

Heute muss ich über diesen Gedanken ein wenig schmunzeln.

Nicht, weil er dumm gewesen wäre. Eigentlich war er sogar ziemlich logisch. Als Kind sieht man die Erwachsenen schließlich immer nur von außen. Man sieht nicht ihre Zweifel. Man sieht nicht die schlaflosen Nächte. Man sieht nicht die Fragen, die sie sich selbst stellen. Man sieht nur jemanden, der morgens aufsteht, zur Arbeit geht, Rechnungen bezahlt und irgendwie den Eindruck vermittelt, als hätte er alles im Griff.

Dann wird man selbst älter und wartet darauf, dass dieser Moment endlich kommt. Erst denkt man, mit 18 sei es soweit. Dann mit 30. Später vielleicht mit 40. Irgendwann merkt man, dass man auf etwas wartet, das vermutlich niemals eintreffen wird.

Ich werde bald älter, als ich mir das als Jugendlicher überhaupt vorstellen konnte. Und trotzdem gibt es Tage, an denen ich mich frage, was ich eigentlich werden will, wenn ich einmal groß bin.

Das hört sich verrückt an, aber genau so fühlt es sich manchmal an.

Vielleicht liegt es daran, dass das Leben selten geradeaus verläuft. Rückblickend sieht immer alles logisch aus. Da reiht sich ein Ereignis ans nächste und irgendwann entsteht daraus eine Geschichte. Während man mittendrin steckt, fühlt es sich allerdings oft eher an wie ein großes Durcheinander aus Entscheidungen, Zufällen, Hoffnungen und Irrwegen.

Manches, worüber ich mir früher wochenlang den Kopf zerbrochen habe, spielt heute überhaupt keine Rolle mehr. Andere Dinge, die ich damals kaum beachtet habe, haben mein Leben stärker beeinflusst als alles andere. Das ist eigentlich schon verrückt. Man verbringt Jahre damit, irgendwelche Ziele zu verfolgen, nur um später festzustellen, dass die wirklich wichtigen Dinge ganz woanders lagen.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich heute vieles entspannter sehe als früher. Nicht alles. Manche Sorgen sind erstaunlich hartnäckig. Aber ich habe gelernt, dass das Leben selten nach Plan verläuft und dass darin manchmal sogar seine größte Stärke liegt.

Denn seien wir ehrlich: Hätte uns jemand mit 20 erzählt, wie unser Leben mit 50 aussehen würde, wir hätten wahrscheinlich nur den Kopf geschüttelt und gesagt: Niemals.

Und genau deshalb finde ich Lebensgeschichten so spannend. Nicht die großen Erfolge. Nicht die perfekten Karrieren. Nicht die Hochglanzversionen, die man heute überall präsentiert bekommt. Sondern die Umwege. Die Zufälle. Die Momente, in denen plötzlich alles anders kam als gedacht.

Am Ende sind es nämlich genau diese Dinge, die uns zu dem Menschen machen, der wir heute sind.